AUS GEGEBENEM ANLASS:

10 JAHRE GERMANWINGS

FLUG 4 U 9525

von Tim van Beveren, Berlin

Die zum Jahrestag aufflammende Kontroverse und teilweise damit aus bestimmten Kreisen einhergehende Diskreditierung von faktenorientierten Erkenntnissen, die nicht dem bisherigen allgemein-öffentlichen Narrativ des Absturzes und der seinerzeit ermittelten angeblichen Ursachen folgen, finde ich höchst bedenklich.

Aufgeworfene Fragen werden z.B. von einem österreichischen Autoren nicht ernsthaft geprüft als „Verschwörungstheorien“ abgetan. Es scheint, dass zahlreiche der mit der Untersuchung der Umstände des Absturzes Betraute, aber auch JournalistInnen sich mit den Ungereimtheiten der Untersuchungen nie ernsthaft befasst haben. Oder sie haben das Gutachten auch gar nicht gelesen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ich niemals durch angebliche Kritiker, oder solche Kolleginnen die darüber berichteten kontaktiert wurde, oder die Möglichkeit einer Stellungnahme erhielt.

Das ist in mehrerlei Hinsicht ein Affront. Denn die Angehörigen der Opfer dieser Katastrophe und die Öffentlichkeit haben ein Recht die Wahrheit zu erfahren. Nicht reduziert als ein auf Vermutungen basierendes Narrativ, sondern durch belastbare Fakten und Beweise untermauert.

Mein Hauptkritikpunkt war und ist bis heute, dass die zivile Flugunfalluntersuchung nicht die Erfordernisse der völkerrechtlich verbindlichen Untersuchungsgrundlage, dem sogenannten ICAO Annex 13 erfüllt.

Insbesondere gerade, weil wir es hier nach den publizierten Erkenntnissen wohl offensichtlich mit einem Unfall im Bereich des „Human Factors“ zu tun haben. Aber: die jeweiligen Experten der zivilen Flugunfalluntersuchungsbehörden (BEA und BFU) wurden nicht in einer angemessenen und sachgerechten Art und Weise in die Untersuchungen eingebunden.

Dies wirft, guten und etablierten journalistischen Grundlagen folgend, Fragen auf. Fragen, die bisher von den Zuständigen nicht mit den entsprechenden Beweisen belegt beantwortet wurden. Ein pauschales Herunterspielen sachlicher Kritik, wie es der seinerzeit zuständige Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa und der akkreditierte deutsche Unfalluntersucher Johann Reuss jüngst in Medienberichten bzw. einer mehrteiligen und journalistisch höchst fragwürdigen WDR Dokumentation getan haben, reichen da leider nicht aus.

Ein weiterer Kritikpunkt ist und bleibt, dass die Ermittlungen und deren teilweise vorschnellen Schlussfolgerungen der juristischen Ermittlungsbehörden, beim Vorliegen entlastender Aspekte, bzw. als diese sich schlicht als falsch ergeben haben, gegenüber der Öffentlichkeit nicht korrigiert wurden. Ich verweise auf das Gutachten und die diesem zu jeder These beigefügten Belege.

In der „Conclusio“ des Gutachtens vom 30.03.2017 befindet sich eine Zusammenfassung aller meiner damaligen Kritikpunkte, auf der auch die im weiteren Verlauf von meinem Kollegen Simon Hradecky, dem Betreiber des Aviation Herald, in der Folge durchgeführten weiteren Recherchen fussen. Diese Ergebnisse sind nun in einer weiteren mehrteiligen TV-Doku des Senders SKY und seinem Buch veröffentlicht.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich zum 10. Jahrestag dieses Unglücks erneut zu Wort melden.

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